Selbstverteidigung für Klinikpersonal
Seit dem 21. September 2026 unterrichten wir wöchentlich in der BG Klinik Ludwigshafen, montags von 16:30 bis 17:30 Uhr. Was in der ersten Stunde trainiert wurde.
Am 21. September 2026 haben wir in der BG Klinik Ludwigshafen zum ersten Mal unterrichtet. Kein einmaliges Seminar, sondern ein Kurs, der ab jetzt jede Woche stattfindet, montags von 16:30 bis 17:30 Uhr, in einem Therapieraum der Klinik. Wir kommen dafür ins Haus.
Warum der Kurs vor Ort stattfindet
Die Anfrage kam über das Betriebliche Gesundheitsmanagement der Klinik. Anfang Juni haben wir uns vor Ort zusammengesetzt und besprochen, was gebraucht wird: Selbstverteidigung für Klinikpersonal, regelmäßig statt einmalig.
Dass wir dafür ins Haus fahren und die Gruppe nicht zu uns nach Maudach kommt, hat einen praktischen und einen inhaltlichen Grund.
Praktisch ist es die einzige Variante, die sich in einen Dienstplan einbauen lässt. Eine Stunde am Montagnachmittag geht. Eine Stunde plus zweimal Anfahrt quer durch die Stadt geht nicht, jedenfalls nicht dauerhaft.
Inhaltlich wiegt der zweite Grund schwerer. Selbstverteidigung wird an die Umgebung angepasst, in der sie gebraucht wird. Wer im eigenen Haus trainiert, übt in vertrauter Umgebung, mit Kolleginnen und Kollegen, in dem Gebäude, um das es geht. Das ist etwas anderes, als eine Bewegung in einem fremden Kursraum zu lernen und zu hoffen, dass sie sich übertragen lässt.
Was in der ersten Stunde passiert ist
Unterrichtet wird von Toni Schmidt, Sven Möller und Nico Möller. Die Gruppe ist auf 15 Teilnehmende pro Einheit begrenzt. Das ist die Grenze, ab der ernsthaftes Korrigieren nicht mehr möglich ist, und Korrektur ist der ganze Sinn der Sache.
Begonnen haben wir am anderen Ende. Bevor irgendetwas geübt wurde, stand das Ziel der Stunde im Raum: eine Situation, in der jemand einarmig auf dich zukommt. Ein Griff an den Hals, ein Faustschlag, das Reißen an einer Halskette, ein Griff in die Haare. Alles, was danach kam, war der Aufbau darauf.
Das ist Absicht. Wer weiß, worauf eine Stunde hinausläuft, übt anders. Jede einzelne Übung bekommt einen Platz, statt eine von vielen zu sein.
Koordinationsleiter
Zum Aufwärmen, aber nicht nur. Schritte unter Zeitdruck sauber zu setzen ist die Grundlage dafür, später stabil zu stehen, wenn es unruhig wird.
Pratzen und die Ohrfeige
Geschlagen wird mit der offenen Hand. Sie ist schneller zu lernen als die Faust, sie schützt die eigene Hand, und sie passt zu einer Situation, die man nicht gesucht hat. An den Handpratzen merkt man sofort, ob wirklich etwas angekommen ist oder ob man nur die Luft bewegt hat. Wirkung kommt dabei nicht aus dem Arm, sondern aus dem Stand und dem Körper.
Großer und kleiner Angstkreis
Zwei Entfernungen, an denen sich vieles entscheidet.
Der große Angstkreis reicht weiter als deine ausgestreckten Arme. Wer dich erreichen will, muss erst noch einen Schritt machen. Das ist die Entfernung, in der man sich unterhält und in der man sich wohlfühlt.
Der kleine Angstkreis beginnt dort, wo die Arme im rechten Winkel vor dem Körper stehen. In diesen Bereich lässt man Familie, Freunde und den Partner. Eine fremde Person, die einem womöglich feindselig gegenübersteht, gehört dort auf keinen Fall hinein.
Wer den Unterschied kennt, merkt früher, wann eine Situation kippt.
Richtig stoßen
Klingt banal, ist es nicht. Ein Stoß, der aus dem Arm kommt, bewegt niemanden. Einer, der aus dem Stand und dem Körper kommt, gepaart mit der richtigen Beinarbeit, schafft genau den Meter Platz, den man braucht. Geübt wurde das einzeln, lange bevor es Teil der Schlussübung wurde.
Tiefschläge
Ein Ziel, das ohne große Kraft auskommt und auch dann noch wirkt, wenn der Größenunterschied deutlich ist.
Die Schlussübung
Am Ende alles zusammen. Jemand kommt einarmig auf dich zu, gleich ob als Griff an den Hals, als Faustschlag, als Reißen an der Kette oder an den Haaren. Die Antwort war jedes Mal dieselbe Kette: Pak Sau, ein klatschender Konter, der den Arm aus der Linie nimmt. Ein Schlag zum Bauch. Wegstoßen. Und dann Flucht, um sich in Sicherheit zu bringen.
Das letzte Glied ist das wichtigste. Die Übung endet nicht mit einem Sieg, sondern damit, sich in Sicherheit zu bringen. Wer die Einzelteile vorher geübt hat, muss am Schluss nur noch aneinanderhängen, was er ohnehin kann.
Anstrengend wird es dabei durchaus, und auch das ist Absicht. Eine Technik, die nur ausgeruht funktioniert, ist keine.
Warum wöchentlich mehr bringt als ein Tagesseminar
Ein Tagesseminar fühlt sich gut an. Drei Wochen später ist wenig davon übrig, und das liegt nicht an den Teilnehmern. Bewegungen, die im Ernstfall abrufbar sein sollen, müssen so oft wiederholt werden, bis sie nicht mehr über den Kopf laufen. Das braucht Wiederholung über Wochen, nicht Intensität an einem einzigen Tag.
Deshalb ist der Kurs wöchentlich angelegt und läuft auf unbestimmte Zeit. Eine Stunde pro Woche über Monate bringt mehr als acht Stunden an einem Samstag.
Wie sich die Gewaltzahlen in Ludwigshafen entwickeln, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengetragen: Gewalt in Ludwigshafen, aktuelle Zahlen.
Danke für das Vertrauen
Unser Dank geht an das Betriebliche Gesundheitsmanagement der BG Klinik Ludwigshafen für die Einladung und das Vertrauen, und an alle, die in der ersten Stunde dabei waren.
Mehr über das Haus und seine Arbeit steht auf bg-kliniken.de/klinik-ludwigshafen.
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Interessiert dich das, was hier trainiert wird? Das meiste davon stammt aus unserem Quick Defence, dem Kurs für moderne Selbstverteidigung. Den kannst du bei uns in Ludwigshafen ohne Vorkenntnisse ausprobieren, kostenlos und unverbindlich.
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