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Was ist Quick Defence?

Ein Selbstverteidigungssystem, das aus einer konkreten Anfrage entstand – und daraus viel mehr wurde. Entstehung, Techniken, Prinzipien und warum es sich grundlegend von anderen Systemen unterscheidet.

von Sifu Toni Schmidt · Mai 2026
Konter gegen einen Schwinger – Quick Defence Training im Zentrum für Selbstverteidigung Ludwigshafen
Konter gegen einen Schwinger – Quick Defence Training im Zentrum für Selbstverteidigung Ludwigshafen-Maudach.

Quick Defence ist kein zusammengewürfeltes Kampfsystem, sondern ein in sich geschlossenes Selbstverteidigungssystem, das aus einer ganz konkreten Situation heraus entstanden ist. Wer es zum ersten Mal sieht, erkennt sofort: Hier wurde nicht einfach aus anderen Systemen zusammenkopiert. Hier wurde von Grund auf neu gedacht.

Was dahintersteckt, wie es entstand und warum es für nahezu jeden Menschen geeignet ist – das erfährst du in diesem Artikel.

Wie Quick Defence entstand: Eine Firmenanfrage verändert alles

Im Jahr 2023 wandte sich ein Unternehmen an mich. Die Anfrage war klar: Mitarbeiter sollen auf Gefahrensituationen vorbereitet werden. Nicht auf Kampfsport, nicht auf Wettkämpfe. Das Ziel war schlicht und konkret: Zeit gewinnen, bis Hilfe kommt.

Ich machte mich an die Arbeit und entwickelte ein Konzept, das auf wenigen, klaren Prinzipien basierte – keine langen Techniklisten, keine jahrelangen Voraussetzungen, keine Vorkenntnisse nötig. Etwas, das jeder Mensch im Ernstfall abrufen kann.

Dann kam der Moment der Erkenntnis: „Das ist mehr als ein Konzept für ein Unternehmen."

Was ursprünglich als maßgeschneiderte Lösung für einen einzigen Auftraggeber gedacht war, hatte das Potenzial, Menschen überall zu schützen. Ich baute das Konzept weiter aus – und 2024 war Quick Defence ein vollständiges Selbstverteidigungssystem.

2023: Entstehung aus einer Firmenanfrage. Grundkonzept wird entwickelt.
2024: Aus dem Konzept wird ein vollständiges, eigenständiges System.

Die Philosophie dahinter: Gleiche Methoden. Gleiche Prinzipien. Für jeden.

Beim Entwickeln von Quick Defence stand eine Frage im Mittelpunkt: Was muss ein Selbstverteidigungssystem leisten, damit es wirklich jeder anwenden kann?

Die Antwort führte zu einem klaren Regelwerk:

Natürlichkeit

Quick Defence arbeitet mit dem, was der Körper ohnehin kann. Wer mit der rechten Hand stärker ist, kämpft mit der rechten Hand. Keine erzwungene Symmetrie, keine künstlichen Bewegungen.

Bewegungsfluss

Techniken bauen aufeinander auf und gehen ineinander über. Kein Einfrieren, kein Neustart. Das System lebt von der Kontinuität der Bewegung.

Einfachheit

Gleiche Methoden, gleiche Prinzipien — keine komplexen Sonderfälle. Was in der Theorie gilt, gilt auch unter Stress in der Praxis.

Für jeden

Es gibt kein „zu klein", „zu schwach" oder „zu alt". Quick Defence funktioniert unabhängig von körperlichen Voraussetzungen — von 13 bis 99.

Quick Defence ist auf Konter ausgelegt. Wir warten nicht in offensichtlichen Kampfposen — wir stehen in versteckten Kampfstellungen: Positionen, die für den Gegenüber wie natürliche, alltägliche Körperhaltungen wirken. Der Gegner erkennt nicht, dass du bereits bereit bist. Aus diesen Stellungen heraus wird sofort agiert, sobald es nötig ist.

Was im Training konkret gelernt wird

Quick Defence ist kein theoretisches System. Vom ersten Training an geht es ums Machen. Das Programm deckt die gesamte Bandbreite realer Konfliktsituationen ab:

Schläge

Mit offener und geschlossener Hand — gezielt, schnell und aus natürlicher Körperposition heraus. Keine Boxerstellung, die Angriffssignale sendet.

Tritte · Ellbogen · Knie

Der gesamte Körper wird zur Verteidigungswaffe. Tritte auf kurze Distanz, Ellbogentechniken im Clinch, Kniestöße — alle folgen denselben Bewegungsprinzipien.

Clinch

Kämpfe passieren auf kurze Distanz. Der Clinch — das enge Gefecht — ist ein eigenes Trainingsfeld: Kontrolle, Druckaufbau, Destabilisierung des Angreifers.

Bodenkampf

Was passiert, wenn man zu Boden geht? Quick Defence bildet auch das ab. Bodenlage ist keine Niederlage — es gibt klare Techniken, um aus dieser Situation handlungsfähig zu bleiben.

Partnerübungen

Von Anfang an wird mit Partner trainiert. Reaktion, Timing und Anpassung an einen echten Menschen lassen sich nicht solo üben. Dazu gehören auch fließende Arm- und Kontaktübungen aus dem Escrima-System, die Sensibilität für Bewegungen des Gegenübers schulen.

Kämpferisch und sportlich – ohne Wettkampf

Quick Defence ist kämpferischer und sportlicher als viele klassische Kampfkünste — und trotzdem kein Wettkampfsystem. Das ist kein Widerspruch, sondern eine bewusste Entscheidung.

Sparring gehört zum Training. Kontrolliertes Freikampf-Training unter realistischen Bedingungen ist der einzige Weg, um zu testen, ob Techniken auch dann funktionieren, wenn das Gegenüber aktiv antwortet. Wer nie unter Druck trainiert hat, weiß nicht, wie er unter Druck reagiert.

Die Konzepte in Quick Defence wurden durch Sparring nicht nur geübt, sondern überprüft. Was im Sparring nicht standhält, hat im Ernstfall nichts verloren. Das ist ein Qualitätsmerkmal, das viele Selbstverteidigungssysteme nicht für sich beanspruchen können — weil sie es schlicht nicht testen.

Wettkämpfe gibt es nicht. Quick Defence wurde für reale Situationen entwickelt, nicht für Punkte auf einem Wettkampfbogen. Regelwerk, Gewichtsklassen und Sportrichter haben in diesem System keinen Platz — weil sie in der Realität auch keinen haben.

Was du zuerst lernst: Boxing Basics

Das erste Training beginnt mit dem, was wir Boxing Basics nennen. Klingt simpel — ist für die meisten dann aber herausfordernder als erwartet.

Wie bildet man eine Faust richtig, ohne sich dabei selbst zu verletzen? Wie schlägt man so, dass die Kraft tatsächlich ankommt? Wie weicht man einem Schlag aus — ohne in Panik zurückzuweichen? Wie setzt man die Beine ein? Das sind die Grundlagen. Und wer sie nicht beherrscht, baut auf wackeligem Fundament.

Mein Lehrer, Großmeister Bill Newman, sagte es treffend: Man lernt Boxen, „to get rhythm" — um Rhythmus zu bekommen. Nicht um zu boxen. Sondern damit Bewegung, Timing und Reaktion natürlich werden. Das ist der Kern der Boxing Basics.

Echte Selbstverteidigung braucht echte Bewegungen, keine vereinfachten Übungsversionen, die unter Stress zusammenbrechen. Im Quick Defence trainieren wir deshalb auf einem Niveau, das dem entspricht, was in einer realen Situation gefordert wird. Oder sogar darüber hinaus.

Quick Defence ist auf schnelle Lernbarkeit ausgelegt — aber nicht auf Oberflächlichkeit. Die Boxing Basics sind der erste Baustein, auf dem alles weitere aufbaut: Tritte, Ellbogen, Knie, Clinch, Bodenkampf. Wer die Grundlagen verinnerlicht hat, merkt, wie logisch das System von dort aus weiterwächst. Wie ein erstes Quick-Defence-Training konkret abläuft, erkläre ich hier.

90 % offene Hand – und warum das kein Zufall ist

Ein Detail, das vielen Anfängern auffällt: Im Quick Defence arbeiten wir zu rund 90 % mit der offenen Hand. Das ist keine Schwäche — es ist eine bewusste Entscheidung aus zwei Gründen.

Erstens: Geringeres Verletzungsrisiko. Eine Faust ist ein Präzisionswerkzeug — und wie alle Präzisionswerkzeuge verzeiht sie wenig. Wer unter Stress schlägt und die Faust nicht exakt aufbaut, riskiert Fingerbrüche, Knöchelprellungen oder schlimmeres. Die offene Hand ist robuster und verzeiht mehr.

Zweitens: Die offene Hand hat echte taktische Vorteile. Ein Beispiel: Ein Schlag mit der Faust ans Ohr tut weh. Ein Schlag mit der flachen Hand ans Ohr — im besten Fall so ausgeführt, dass Luft ins Ohr gelangt — kann im Ernstfall zu einem Riss im Trommelfell führen. Das ist kein Kunstgriff. Das ist Physik.

Es gibt Situationen, in denen eine offene Hand der Faust schlicht überlegen ist. Quick Defence nutzt beides — aber die offene Hand ist der Standard.

Karate oder Quick Defence – was taugt zur Selbstverteidigung?

Viele Menschen, die sich für Selbstverteidigung interessieren, denken zuerst an Karate. Das ist verständlich — Karate ist seit Jahrzehnten die bekannteste Kampfkunst in Deutschland, es gibt Vereine in jeder Stadt, und das Bild des Karateka ist im kollektiven Bewusstsein tief verankert.

Aber es lohnt sich, einen ehrlichen Blick darauf zu werfen, wofür Karate wirklich optimiert wurde — und wofür nicht.

Karate hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend in Richtung Wettkampf und Sport entwickelt. Punkte werden durch kontrollierte, klar definierte Bewegungen erzielt — schnelle Handtechniken, präzise Fußarbeit, geregelte Distanz. Das ist athletisch und technisch beeindruckend. Für den Ernstfall auf der Straße ist es nur bedingt geeignet.

Warum? Weil reale Konfliktsituationen keine Regeln kennen. Kein neutraler Richter, keine Punktewertung, keine definierten Kampfzonen. Es gibt keine Auszeit, wenn jemand zu Boden geht. Und Techniken, die jahrelang unter Wettkampfbedingungen trainiert wurden, reagieren unter echtem Stress genau so — mit Wettkampfreflexen, die in der Realität falsch sein können.

Quick Defence wurde nicht für den Wettkampf entwickelt — sondern für die Situation, in der es wirklich darauf ankommt. Natürliche Bewegungen, wenige aber verlässliche Prinzipien, trainiert unter echtem Druck.

Das bedeutet keine Kritik an Karate als Kampfkunst — wer Karate als Sport, als Disziplin oder als kulturelle Praxis betreibt, tut das aus guten Gründen. Aber wer gezielt Selbstverteidigung lernen will, ist mit einem System besser bedient, das genau dafür entwickelt wurde.

Beispielübung: Der Hubud-Drill im Escrima

Das folgende Video zeigt den Hubud-Drill — eine Partnerübung aus dem Escrima, die Reaktionsvermögen und Bewegungsfluss schult. Im Video wird außerdem erklärt, warum Karate für die echte Selbstverteidigung oft ungeeignet ist. Im Video ist die Übung mit Stöcken zu sehen — so wie wir es auch im Escrima trainieren. Im Quick Defence machen wir dieselbe Übung mit der leeren Hand.

Hubud im Quick Defence – mit der leeren Hand

Und hier eine Vorführung, wie wir den Hubud-Drill im Quick Defence trainieren, mit der leeren Hand, ohne Stöcke. Gleiche Grundprinzipien, andere Dimension.

Quick Defence und Krav Maga – was ist der Unterschied?

Wer sich für Selbstverteidigung interessiert, stößt früher oder später auf Krav Maga. Der Vergleich liegt nahe — und er lohnt sich, auch wenn die Antwort unbequem ist.

Quick Defence ist ein geschlossenes System. Alle Techniken und Prinzipien folgen derselben Logik, denselben Bewegungsmustern, denselben Grundsätzen. Egal wo auf der Welt du trainierst — du lernst dasselbe System nach denselben Regeln.

Krav Maga ist kein geschlossenes System — und das ist das eigentliche Problem. Krav Maga entstand als Zusammensetzung aus Elementen verschiedener Kampfsysteme. Das klingt nach Stärke, hat aber einen entscheidenden Haken: Es gibt kein „reines" Krav Maga.

Was bedeutet das in der Praxis? Ein Kickboxer, der einen vierwöchigen Krav-Maga-Lehrgang absolviert und danach als Krav-Maga-Trainer arbeitet, unterrichtet fundamental anders als ein Judo-Trainer mit demselben Zertifikat. Beide nennen es Krav Maga. Beide haben formal dieselbe Qualifikation. Was Schüler lernen, kann sich jedoch erheblich unterscheiden — abhängig davon, welchen Hintergrund der jeweilige Trainer mitbringt.

Bei Quick Defence gibt es dieses Problem nicht. Das System hat eine klare Struktur, eine klare Lehrerlinie und definierte Prinzipien. Wer Quick Defence lernt, lernt Quick Defence — nicht die persönliche Kampfkunstbiografie des Trainers.

Wie schnell kann ich Quick Defence lernen?

Eine der größten Stärken des Systems: die Lernkurve ist steil — im positiven Sinne.

Nach etwa drei Monaten regelmäßigem Training hast du die Grundlagen verstanden und kannst sie anwenden. Nicht perfekt, aber verlässlich. Nach zwölf Monaten hast du eine solide, belastbare Basis — Techniken, die auch unter Stress und gegen unerwartete Reaktionen funktionieren.

Das ist möglich, weil Quick Defence auf wenigen, konsequent angewendeten Prinzipien aufbaut. Es gibt keine Hunderte von Spezialtechniken, die auswendig gelernt werden müssen. Was du lernst, gilt überall — im Stand genauso wie im Clinch, gegen einen Schlag genauso wie gegen einen Griff.

Keine Vorkenntnisse notwendig. Du beginnst vom ersten Tag an mit praxisnahem Training — und merkst schnell, dass das Gelernte sitzt.

"

Gewalt interessiert sich nicht für Stille und Rechte.

Sifu Toni Schmidt

Selbstverteidigung beginnt im Kopf

Ein Teil, den viele Selbstverteidigungssysteme vergessen: die Zeit nach einer Situation. Quick Defence vermittelt deshalb nicht nur Techniken, sondern auch den rechtlichen Rahmen.

Was ist Notwehr? Wo ist die Grenze zwischen Verteidigung und Gegenschlag? Wie verhält man sich unmittelbar nach einer Konfrontation — gegenüber der Polizei, gegenüber Zeugen? Wer diese Fragen nicht kennt, kann im schlimmsten Fall rechtlich in der Klemme sitzen, obwohl er sich völlig korrekt verhalten hat.

Diese Grundlagen sind Teil des Quick-Defence-Curriculums. Selbstverteidigung fängt nicht an, wenn der erste Schlag kommt — sie beginnt mit dem Bewusstsein dafür, wie Konflikte entstehen, eskalieren und wie man danach handelt.

Für wen ist Quick Defence geeignet?

Kurze Antwort: für fast jeden.

Quick Defence wurde von Grund auf so konzipiert, dass körperliche Voraussetzungen keine Rolle spielen. Groß, klein, schwer, leicht, sportlich oder nicht — die Prinzipien des Systems gelten für alle gleichermaßen. Es gibt keine Mindestanforderung an Kraft oder Kondition.

Ab 13 Jahren kann mit dem Training begonnen werden. Für jüngere Kinder gibt es angepasste Trainingsformen. Nach oben gibt es keine Grenze — das System funktioniert bis ins hohe Alter, weil es auf Technik und Prinzip setzt, nicht auf Athletik.

Männer und Frauen trainieren gemeinsam, auf Augenhöhe. Das ist kein Zufall — sondern Teil der Grundphilosophie.

Ellenbogenkonter gegen einen Griff – Quick Defence Training im Zentrum für Selbstverteidigung Ludwigshafen
Ellenbogenkonter gegen einen Griff – eine der typischen Quick-Defence-Situationen im Training.

Quick Defence und Wing Tsun – geht das zusammen?

Ja. Und die meisten unserer Schüler machen genau das.

Wing Tsun und Quick Defence teilen grundlegende Bewegungsprinzipien — kurze Wege, direkte Reaktionen, kein Krafteinsatz gegen Kraft. Wer beides trainiert, merkt schnell: Die Systeme sprechen dieselbe Sprache, ergänzen sich aber in ihrer Ausrichtung perfekt. Wing Tsun geht tiefer in die Prinzipienlehre. Quick Defence geht direkter in die Praxis.

Im nächsten Artikel schauen wir uns genau diesen Vergleich an: Was sind die konkreten Unterschiede zwischen den beiden Systemen, und welches passt besser zu dir?

Danksagung an Großmeister Bill Newman

Quick Defence wäre nicht das, was es ist, ohne Großmeister Bill Newman. Das sage ich nicht als Höflichkeitsformel. Das sage ich, weil es die Wahrheit ist.

Ich hatte viele Jahre in einem großen Kung-Fu-Verband (EWTO) trainiert. Parallel dazu beschäftigte ich mich seit etwa anderthalb Jahren mit Karli, dem philippinischen Stockkampf, der dem Escrima verwandt ist — nicht über die EWTO, sondern bei einem externen Anbieter in Mannheim. Als ich in Bad Dürkheim eine Schule übernahm, kamen mein Sifu und ich auf die Idee, auch Escrima anzubieten. Damit es über einen Verband offiziell angeboten werden konnte, musste es „Escrima" heißen, nicht Karli. Also Escrima.

Um das System offiziell zu lernen, fuhr ich nach Ramstein, zu einem Seminar von Großmeister Bill Newman. Das war um 1998. Ich erinnere mich gut an meine Gedanken vorher: „Ich mache seit Jahren Karli. Da kann ich direkt die ersten vier Schülergrade absolvieren." Die Seminarorganisation meinte: Die ersten zwei machen wir erstmal, dann schauen wir mit Bill weiter.

Was dann passierte, war eins der prägendsten Erlebnisse meines Lebens, auch wenn ich das damals nicht sofort wusste.

Ich trainierte auf dem Seminar mit der ganzen Selbstsicherheit des jugendlichen Leichtsinns. Ich hatte ja Jahre der Erfahrung. Ich zeigte den anderen Teilnehmern, was ich konnte. Ich trainierte sie quasi mit. Bis Bill Newman zu mir kam.

Er kam aus England, sprach mit britischem Akzent und fragte mich: „Was machst du da? Was soll das sein? Is that stick aerobics?"

Dann zog er eine kleine weiße Flasche aus seiner Hosentasche. Augentropfen. Er machte sich die Augentropfen rein, schaute mich an und sagte: „Greif mich mal an." Und dann kämpfte er mit der Augentropfenflasche. Die Flasche blieb in der Hand, und er hat mich damit verprügelt.

Es folgte eine zwanziminütige Lektion. Ich habe so geschwitzt und wurde so durch die Halle gewischt, dass der Hallenboden sauber war. Jeden einzelnen Treffer dieser kleinen weißen Flasche habe ich am ganzen Körper gespürt.

Das ist mir noch nie passiert, dass ich so auseinander genommen wurde. Und das, obwohl er damals schon ein älterer Mann war. Nicht mal als Türsteher habe ich sowas erlebt. Alles, was ich bis dahin dachte zu wissen, habe ich danach verworfen. Ich habe nur noch das trainiert, was Bill gezeigt und gemacht hat.

Dafür bin ich ihm bis heute unendlich dankbar.

Bill Newman war kein Kämpfer. Er war kein Krieger. Er war ein Jäger. Er ist auf die Jagd gegangen und hat dich zur Strecke gebracht. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich war in den Folgejahren auf gut 30 bis 40 seiner Lehrgänge pro Jahr, quer durch halb Europa, weil er kein reguläres Training anbot. Kein Lehrgang war wie der andere. Man hat immer etwas Neues gelernt, nie zweimal dasselbe gemacht. Jedes Mal gab es neue Einblicke, vorgeführt so, dass keine offenen Fragen blieben. Seine Kampflogik, seine Kampfidee: so logisch, so auf den Punkt, so klar. Ohne Spielerei. Ohne komische Tricks.

Wenn man ihn angreifen durfte, und das war nicht immer ein Geschenk, sage ich mit einem Lachen, dann konnte man zwei, drei Bewegungen schaffen. Aber nur, weil er das wollte. Weil er noch etwas vorführen wollte. Weil er noch etwas zeigen wollte.

Wenn man Großmeister Bill Newman angreifen musste, dann war das so, als würde dich ein Doppeldeckerbus streifen, dieser Vergleich, weil der Mann eben aus England kommt. Du hattest keine Chance.

Einmal fragte jemand auf einem Lehrgang, ob man nicht auch etwas ohne Stöcke machen könnte, etwas mit der leeren Hand. Bill sagte: „Ja klar, machen wir." Nach zwanzig Minuten änderte die Gruppe ihre Meinung. Es war waffenlos noch brutaler, noch härter, noch konkreter als mit den Stöcken. Mit den Stöcken hatte man wegen des Verletzungsrisikos noch aufgepasst. Ohne die Stöcke gab es kein Zurückhalten mehr.

Unglaublich war sein Training.

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